Risikomanagement für Finanzdienstleistungsinstitute und Leasinggesellschaften

Vor ein paar Jahren wurde in einem Artikel des Harvard Business Managers provokant gefragt, ob Christoph Kolumbus es auch heute noch – unter Einsatz der modernen Risikomanagement-Verfahren – gewagt hätte, einen Seeweg nach Indien zu suchen. Es wird philosophiert, ob er aufgrund der hohen Risiken die Fahrt scheuen würde, die Chancen für ihn überwiegen könnten oder ob er durch den Abschluss einer Versicherung seine Risiken abwälzen und lossegeln würde.[1]

Wachsende Bedeutung des Risikomanagements

Die oben aufgeworfene Frage lässt sich wohl nie beantworten. Was sich allerdings eindeutig beantworten lässt, ist die Tatsache, dass in den letzten Jahrzehnten die Möglichkeiten, aber auch die Komplexität im Risikomanagement, deutlich gestiegen sind. Auch neue Bedrohungen, wie etwa Cyberrisiken, erfordern ein umfassendes Risikomanagement bzw. eine Anpassung bestehender Prozesse an neue Gefährdungssituationen. Die Bedeutung des Risikomanagements hat in den letzten Jahren branchenübergreifend deutlich zugenommen. Neben einer nachhaltigen Existenzsicherung der Unternehmung, ist es für die meisten Finanzdienstleister insbesondere der regulatorische Druck, der als zentraler Treiber für die Umsetzung und den Ausbau des Risikomanagements angesehen werden kann.

Während sich die meisten Institute durch die aufsichtsrechtlichen Vorgaben vom reinen Schadensmanagement zu einem regulatorischen Risikomanagement entwickelt haben, kann durch eine geschickte Inanspruchnahme von Öffnungsklauseln und des Proportionalitätsprinzips eine Weiterentwicklung zu einem entscheidungsunterstützenden, wertorientierten Risiko- und Chancen-Management ermöglicht werden.

Regulatorische Anforderungen

Der Erfolg einer Gesellschaft steht und fällt regelmäßig mit den Ergebnissen im Risikomanagement. Um nachhaltig erfolgreich sein zu können, ist es zwingend notwendig, dass ein aus Risikogesichtspunkten „gesundes“ Portfolio vorgehalten wird. Das Buch „Risikomanagement im Leasing“ von Christian Glaser stellt in der bereits 2. Auflage sehr praxisnah die Erfolgsfaktoren des Risikomanagements aus Sicht einer Leasinggesellschaft dar.

Im Vergleich zur ersten Auflage wurden in der zweiten Auflage neben Themen wie Risikokultur, individueller Datenverarbeitung (IDV) und Datenqualität explizit die Themen „Risikodatenaggregation“ und „Sonderprüfungen durch die Bankenaufsicht“ - auch als „44er Prüfungen“ bekannt - sowie ein Blick auf das europäische Aufsichtsrecht neu aufgenommen. Diese Themen sind zentral für das Risikomanagement einer Leasinggesellschaft und wurden natürlich maßgeblich von der fünften MaRisk-Novellierung 2017 inspiriert.

Best Practice und Sonderprüfungen

Aufgrund der nun mehrjährigen Erfahrung mit der Bankenaufsicht bilden sich immer mehr Prüfungsschwerpunkte der BaFin-Sonderprüfungen heraus. Vielfach werden die Erfahrungen einer Sonderprüfung aber wenig unternehmensübergreifend geteilt, sodass bei vielen Managern von Leasinggesellschaften erst einmal die Angst und Unsicherheit überwiegt, wenn eine Prüfungsankündigung zugestellt wird. Da eine solche Prüfung allerdings (im Regelfall) völlig normal und routinemäßig ist, gibt es eigentlich keinen Grund zur Angst. Vielmehr gilt es, die begrenzte Zeit der Vorbereitung bestmöglich zu nutzen und damit die Durchführung der Prüfung optimal zu gestalten. In einem gesonderten Kapitel zum Thema „BaFin-Sonderprüfungen“ wurden die Erfahrungen sowohl aus der Leasing- als auch der Banken- und Versicherungsbranche gebündelt und in praxisnahen Tipps für die Prüfungsvorbereitung zusammengefasst.

Das anschließende Kapitel zum europäischen Aufsichtsrecht wagt einen Blick über den Tellerrand der Leasingbranche und der deutschen Bankenaufsicht hinaus und stellt aktuelle Entwicklungen auf europäischer Ebene dar. Das Ziel ist es, kurz und prägnant etwas mehr Klarheit in viel diskutierte Themenbereiche zu bringen und häufig genannte Schlagwörter und Begriffe aufzugreifen. Denn vielfach hat man zwar Begriffe wie EBA, BCBS, ICAAP, SREP oder ILAAP schon gehört, kennt aber die genauen Hintergründe hierzu nicht.

Risikodatenaggregation und IT-Risiken

Auch die Themen Risikodatenaggregation und IT-Risiken sowie individuelle Datenverarbeitung sind von hoher Relevanz: zum einen regulatorisch und zum anderen auch aus Gründen der Qualität von Managemententscheidungen. Denn speziell in Krisensituationen müssen häufig Ad-hoc-Entscheidungen getroffen werden und es ist deshalb sehr wichtig, dass die Unternehmensführung schnell – nahezu auf Knopfdruck – hochwertige und korrekte Daten erhält. Durch einen ausufernden Einsatz von individuell gebastelten Lösungen werden nicht nur isolierte „Risikosilos“ erzeugt, die eine ganzheitliche Risikosteuerung erschweren, sondern allgemein auch die Anfälligkeit für Fehler und die Abhängigkeit von wenigen Know-how-Trägern exorbitant erhöhen. Die Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) konkretisieren und verschärfen bestehende Vorgaben aus den MaRisk im Bereich IT.

Risikokultur

Der wohl am schwersten zu greifende und zu messende Themenbereich ist sicherlich die Risikokultur. Der Begriff „Risikokultur“ ist dabei kein neues Thema oder gar ein neuer Risikomanagementansatz. In der einschlägigen Managementliteratur wird die Risikokultur seit Jahren als integraler Bestandteil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung gesehen. Die zentrale Fragestellung dürfte für die meisten Leasinggesellschaften nun aber sein, was wirklich „angemessen“ ist. Sicherlich wird die BaFin dem Management in Zukunft nicht die Strategie vorgeben. Vielmehr geht es hierbei um die Konsistenz zwischen Risikostrategie, Verhalten der Mitarbeiter und speziell des Managements sowie der Kommunikation und den Anreizsystemen. Nur wenn hier ein roter Faden erkennbar ist, lässt sich nachweisen, dass die Risikomanagement-Anforderungen wirklich gelebt werden und kein „Papiertiger“ sind.

(Christian Glaser, Würth-Gruppe)


[1] Vgl. Leitl M (2009) Risikomanagement? Harvard Business Manager vom 18. Mai 2009. www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-621278.html. Zugegriffen: 27.11.2017.

2. Auflage „Risikomanagement im Leasing“

Das Buch erhebt einen hohen praktischen Anspruch und ist auf Basis vieler geführter Gespräche mit Experten und „Profis" der unterschiedlichsten Branchen entstanden. So wird beispielsweise in je einem gesonderten Kapitel auf häufige Fehler im Risikomanagement, eine wertorientierte Risikosteuerung aber auch Risikomanagement in anderen Branchen als Best Practice sowie schwarze Schwäne und andere „Exoten“ eingegangen. Dadurch, dass sowohl einzelne Kapitel quergelesen werden können, als auch ein Komplettstudium möglich ist, kann der Leser entweder einen Gesamtüberblick oder auch schlichtweg eine schnelle Information erhalten.

Glaser, Christian: Risikomanagement im Leasing. Grundlagen, rechtlicher Rahmen und praktische Umsetzung (2. Aufl.), mit einem Geleitwort von Jürgen Büschelberger | Broschur | ca. 500 Seiten | vrs. 44,99 € | ISBN 978-3-658-18200-7 | Springer Gabler Verlag | erscheint vrs. im April 2018

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